Die Auswirkungen des Coronavirus auf die Europäische Innovations-Community

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Wir sind uns sicher einig, dass die letzten Wochen schwierig waren. Die Ungewissheit und Unvorhersehbarkeit der Situation ist für alle auf vielen Ebenen herausfordernd. Der Ausbruch von COVID-19 hat sich auf alles ausgewirkt – von Spotify Listening Trends (die Streamingzahlen von “Don’t Stand So Close to Me” von The Police stieg in den letzten Wochen um mehr als 135%) bis hin zur Art und Weise, wie wir Geburtstage, Hochzeiten und Jubiläen feiern und dabei Social Distancing respektieren. Und während dieses “Ausnahmezustands”, der in vielen europäischen Ländern aktiviert wurde, waren Unternehmen jeglicher Art und Größe innerhalb von nur 24 Stunden betroffen und mussten Arbeitsweisen, Teamstrukturen, Produkten und Dienstleistungsangeboten anpassen oder sogar völlig neue Geschäftsmodelle entwickeln. In einigen Fällen können die Unternehmen der Nachfrage nicht nachkommen, da sich das Verbraucherverhalten vollständig auf neue, aber äußerst klare Bedürfnisse verlagert hat.

Auch unsere Community von 4.500 Digital- und Tech-Innovatoren hat aufgrund dieser neuen Realität plötzliche Veränderungen erfahren. Aber so sehr sie sich auch in Schwierigkeiten befinden mögen, so streben sich auch weiter danach, eine Innovationsquelle zu sein. Startups haben wie kein anderer die Fähigkeit, sich schnell anzupassen und zu verändern, und sie erkennen oft Lösungen für Probleme, die unmöglich zu beheben scheinen. 

 

Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Projekte 

Wir haben Mitglieder in ganz Europa, die jeden Tag neue Projekte und Initiativen ins Leben rufen, mit dem Ziel, das Leben der Menschen und die Ökosysteme in ihrer Umgebung zu beeinflussen. Zum Beispiel unser Mitglied Massimo Temporelli in Italien, der nach einer Unterbrechung der Versorgungskette für ein Krankenhaus in Brescia, nahe einer der am stärksten vom Virus betroffenen Regionen, Ventile für Beatmungsgeräte mit dem 3D-Drucker herstelle. Das Startup Akara Robotics aus unserer irischen Community entwickelte einen Roboter, der ultraviolettes Licht (UVC) aussendet und in der Lage ist, Krankenhäuser zu desinfizieren und so den Coronavirus abzutöten, der sich auf Oberflächen versteckt. Und an unserem Wiener Campus in Österreich startete Daniel Horak, Co-Founder von CONDA, ein Projekt namens CONDA HILFT, um betroffenen Unternehmen zu helfen, Kapital von Unterstützern in Form von nachrangigen Darlehen zu beschaffen, indem sie den technischen und rechtlichen Rahmen bieten, um finanzielle Unterstützung mit weniger Bürokratie und in kürzester Zeit zu erhalten. Viele andere Geschichten kommen aus ganz Europa, auch aus Spanien und Dänemark, und auch kleine Initiativen wie Spenden für einen guten Zweck, die Gewährung von Rabatten oder kostenlose Dienstleistungen haben eine tragende Rolle. Es war wirklich erstaunlich zu sehen, wie sich unsere Talent Garden Community nach bestem Wissen und Gewissen auf diese Situation einstellt. Die folgenden Daten aus unseren Umfragen erlauben uns jedoch einen tieferen Einblick in die Herausforderungen, die sich für unsere Mitglieder während der Krise weiterhin ergeben.

Uns ist es wichtig zu verstehen, wie sich das Coronavirus auf die europäische Innovations-Community auswirkt. Wir müssen uns der Herausforderungen bewusst sein, denen sie gegenüberstehen, wie sie mit dieser Notlage umgehen und was ihrer Meinung nach die Zukunft bereithält. Aus diesem Anlass haben wir eine Umfrage für die Startups unseres europäischen Ökosystems, das heute aus 23 Campussen in 8 Ländern besteht, erstellt. Die Fragen drehen sich um Aspekte im Zusammenhang mit Smart Working und der Bewältigung des Wandels sowie um Prognosen zu Arbeit und Innovation abseits von COVID-19.

Die Untersuchung wurde mit unserer Community von Innovatoren durchgeführt, um Einblicke in die Bemühungen, Bedenken und Zukunft einer Branche zu geben, die sich als strategisch essentiell für die Bewältigung der anhaltenden Notlage erwiesen hat.

 

Was den europäischen Unternehmern durch den Kopf geht

Wenn man sich die Hauptsorgen der europäischen Unternehmer bezüglich dem COVID-19-Notstand ansieht, stechen zwei Sorgen unserer Community heraus. Die erste steht in engem Zusammenhang mit den Umsatzeinbußen, die die Unternehmen während dieser globalen Konjunkturabschwächung erleiden. Tatsächlich erwarten 40% der Befragten bei der Vorhersage von Geschäftsverlusten mindestens 50% Umsatzeinbußen, und bei der Hälfte dieser Befragten lag die Zahl sogar bei 75%. Andererseits gaben 10% an, dass sie überhaupt keine Verluste erwarten, was bedeutet, dass diese Unternehmer entweder aufgrund der Art der Produkte und Dienstleistungen, die sie anbieten, oder aber aufgrund ihres Einfallsreichtums bei der Neuausrichtung ihrer Unternehmen und der Anpassung ihres Angebots an die neuen Marktbedürfnisse in einer besseren Position sind.

Die zweite große Sorge ist für über 50% der Befragten die bevorstehende Mittelbeschaffung, die für die kommenden Monate geplant war. Zuvor haben sich Investoren so verhalten, als ob die wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19 begrenzt wären. Doch die schnelle Ausbreitung der Krankheit hat massive Schockwellen in der gesamten Weltwirtschaft ausgelöst. Die Aktienmärkte sind abgestürzt und viele Anleger weichen auf Vermögenswerte aus, die als sicherere Optionen angesehen werden, so dass eine große Anzahl von Startups in Schwierigkeiten geratet.

Ein weiterer Grund, der vielen Menschen schwer auf der Seele liegt, ist, wann die Dinge wieder zur Normalität zurückkehren werden, auch wenn es sich um eine neue Art von Normalität handelt. Bei der Frage an unsere Community, wann sie glauben, dass sie wieder voll im Geschäft sein werden, gaben 35% der Befragten im September 2020 an. Während 26% optimistischer sind und eine Rückkehr bereits im Juni voraussagen, glauben die pessimistischsten 4% der Befragten, dass es bis zum Dezember dauern wird.

 

Europäische Startups sind fest entschlossen

Ein Teil unserer Umfrage zielte darauf ab, herauszufinden, was unsere Startups und die Community insgesamt aktiv tun, um in dieser Krise weiter voranzukommen, und wie sie sicherstellen, dass sie auch dann noch existieren, wenn sich die Wirtschaft stabilisiert. Nach Ansicht der Mehrheit unserer Befragten konzentrieren sich die Hauptaktivitäten auf die Verbesserung bestehender Prozesse (60%), die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen (48%) sowie die Neudefinition der organisatorischen Teamstrukturen und die Verbesserung der Fähigkeiten.

Unsere Befragten glauben auch, dass in dieser Zeit einige der grundlegendsten Technologien, die die Verbraucher und damit auch die Unternehmen unterstützen werden, für fast jeden zweiten Befragten (48%) der e-Commerce ist, gefolgt von Unterhaltung 38%, Lebensmittelversorgung 32% und e-Learning 30%. All dies sind wichtige Aspekte des neuen Alltags für Menschen, die auf ihr Zuhause beschränkt sind.

Außerdem gaben 50% der Befragten an, dass sie bereits Initiativen zur Unterstützung der von dieser Notlage am stärksten Betroffenen durchgeführt oder an solchen teilgenommen haben, insbesondere durch die Entwicklung von Produkten zur Lösung konkreter Probleme, durch das Angebot von Rabatten auf ihre Produkte und Dienstleistungen oder durch Spenden.

 

Flexibel sein bedeutete, besser vorbereitet zu sein

Obwohl viele Unternehmen im Laufe der Jahre die Vorteile von Smart / Remote Working erkannt haben, war es dennoch ein Schock, als es dann zum tatsächlichen Arbeitsalltag werden sollte. Dieser rasche Wandel führte dazu, dass viele Unternehmen Zeit und Geld verloren, da sie neue Tools, Strukturen und Prozesse erst recherchieren, testen und erlernen mussten, um weiterhin ein produktives und effektives Arbeiten zu gewährleisten, auch wenn man nicht im gleichen Raum sitzt. Leider mussten viele Führungskräfte auch feststellen, dass sie nicht darauf vorbereitet sind, ihre Teams remote zu leiten, was zu zusätzlichen Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Wandels führte. Dieses Phänomen war in Italien, dem ersten europäischen Land, das mit den enormen Auswirkungen der schnellen Verbreitung des Virus konfrontiert wurde, sehr deutlich spürbar. Zur Unterstützung dieses Umbruchs in Italien, dem Heimatland von Talent Garden, reagierten wir schnell und unterstützten all unsere Partner, die Community, die Akteure der Branche und die breite Öffentlichkeit, indem wir die Antea-Plattform ins Leben gerufen haben, ein digitales Forum für Unternehmen und Fachleute, das sich den Themen Smart Working und Agile Methods widmet und voller Ressourcen, Videoinhalte und Einblicke ist, die man von und mit Branchenexperten lernen kann.

Wir haben jedoch festgestellt, dass sich die meisten Startups in unserer Community nicht wie viele andere Unternehmen mit der Umstellung auf das Home Office herumschlagen mussten, was ihnen letztlich einen großen Vorteil verschaffte – sowohl kurzfristig durch den reibungslosen Arbeitsablauf als auch langfristig, da es ungewiss ist, wie lange wir von zu Hause aus arbeiten werden. Tatsächlich gaben sogar 80% unserer Befragten an, dass sie schon vor COVID-19 regelmäßig Smart Working praktiziert haben, und wiederum 80% sind der Meinung, dass ihnen das geholfen hat, diese neue Situation zu bewältigen und auch während der Krise weiter zu arbeiten.

Zu den am häufigsten verwendeten Tools für produktives Zusammenarbeiten aus dem Home Office gehören Videokonferenz-Tools wie Google Hangouts, Zoom, Cisco Webex usw., die von 83% der Befragten genannt wurden. Andere grundlegende Technologien für die “Work From Home” sind Instant Messaging, wie Slack (47%), Arbeits-Ökosysteme wie Google oder Office 365 (23%) und Task Management Tools wie Asana und Trello.

Ein weiterer Aspekt des Lockdown, der für Führungskräfte sehr wichtig ist, ist es, sicherzustellen, dass ihre Teams in dieser stressigen und oft beängstigenden Zeit bei guter Laune sind. Die psychische und physische Gesundheit ist entscheidend, um in dieser verwirrenden Zeit motiviert zu bleiben. 70% der Befragten geben an, dass die Aktivität, die das Stresslevel vermindert und sich positiv auf die Stimmung auswirkt, Online-Schulungen (z.B. Webinare, kostenlose Kurse) sind, gefolgt von Wellbeing-Tutorials wie Yoga- und Fitnesskursen (23%).

 

Unsere Ergebnisse: Sorgen, aber klare Anzeichen von Widerstandsfähigkeit  

Die Unsicherheit ist zweifellos einer der wichtigsten Aspekte der gegenwärtigen Krise. Nicht zu wissen, wann sie endet oder welche langfristigen Folgen sie hat, macht die Startup-Reise schwieriger. Allerdings haben Startups auch Qualitäten, die sie in einer Krise wie dieser besonders widerstandsfähig machen können. Sie sind es gewohnt, mit Unsicherheiten umzugehen, sie wissen, wie man sich schnell adaptiert, sie haben agile, funktionsübergreifende Teams, die sich schnell umstrukturieren können, und sie sind technisch versiert und fühlen sich mit der Arbeit vom Home Office aus wohl.

Wenn wir unseren Startup Communities zuhören, erkennen wir Sorgen; über das Leiden ihrer Unternehmen und über ihr Überleben. Aber wir erkennen auch Belastbarkeit und Optimismus. Inmitten von Unsicherheit und Chaos finden sie Wege zur Reorganisation und Neuausrichtung ihrer Tätigkeiten; sie halten ihren Teamgeist hoch, indem sie technische Hilfsmittel kombinieren; sie sind leidenschaftlich produktiv und nutzen die Gelegenheit, neue Dinge zu lernen und ihre Fähigkeiten zu schärfen.

Aber was sehr klar ist, ist, dass es sich hier um ein empfindliches Ökosystem handelt, das dringende und außerordentliche Maßnahmen zum Schutz der Innovations-Ökosysteme in Europa und der Startups, die darum kämpfen, sich über Wasser zu halten, benötigt. Wir brauchen Dinge wie Steuerbefreiungen, Unterstützung durch Sonderdarlehen, subventionierte Kredite für sofortige Liquiditätsmaßnahmen zur Unterstützung dieses Sektors. Wir können es uns nicht leisten, das im Laufe der Jahre entwickelte Know-how zu verlieren. Wir müssen dem Verlust von Arbeitsplätzen entgegenwirken, der den raschen und kontinuierlichen Fortschritt bedroht, und die wichtigen Investitionen, die bereits getätigt wurden und weiterhin getätigt werden müssen, in Frage stellt. 

Es ist eine Herausforderung für alle, aber wie immer wissen wir, dass wir gemeinsam stärker sind. Folge uns auf Social Media und bleib informiert über unsere Community-Initiativen, bevorstehende virtuelle Events, Online-Treffen und vieles mehr. Wir hoffen, dass jeder in unserer Community sowie auch du gesund und optimistisch bleibt.

 

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