International Equal Pay Day: Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit

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Am 18. September 2020 findet zum ersten Mal der International Equal Pay Day statt, der das Engagement der Vereinten Nationen für einen fairen Lohn für gleichwertige Arbeit unterstreicht. Das fünfte der 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen, die der Agenda für nachhaltige Entwicklung bis 2030 als Basis dienen, ist tatsächlich die Verwirklichung der Gleichstellung der Geschlechter. Die Beseitigung aller Arten der Diskriminierung, einschließlich der geschlechtsspezifischen Diskriminierung von arbeitenden Frauen, stellt nicht nur die Verwirklichung eines grundlegenden Menschenrechts dar, sondern spielt auch eine entscheidende Rolle bei der Beschleunigung der nachhaltigen Entwicklung: Sie hätte einen Multiplikatoreffekt, der sich auf alle anderen Entwicklungsbereiche auswirken würde. Die Nutzung der Talente eines Drittels der Bevölkerung hat für Volkswirtschaften und Unternehmen auf der ganzen Welt ein immenses Gewicht für Wachstum, Wettbewerb und die Fähigkeit, in die Zukunft zu blicken. 

Obwohl das Konzept inzwischen in fast allen Ländern übernommen wurde, ist die Umsetzung in die Praxis sehr viel schwieriger: Schätzungen zufolge beträgt das weltweite geschlechtsspezifische Lohngefälle 23% (d.h. für jeden Dollar, den ein Mann verdient, erhält eine Frau 77 Cent für die gleiche Arbeit), und in der Tat ist es noch keinem Land der Welt gelungen, dieses Gefälle zu überwinden. Im Gegenteil, nach den jüngsten Schätzungen wird es noch 273 Jahre dauern, bis das globale geschlechtsspezifische Lohngefälle beseitigt ist. Die Ursachen haben historische und strukturelle Wurzeln: ungleiche Machtverhältnisse, Armut, Benachteiligung und ungleicher Zugang zu Ressourcen und Chancen sind einige der Faktoren, die diese Situation geschaffen haben und die Fortschritte auf dem Weg zur Gleichberechtigung einbremsen. 

 

Wie ist die Situation des Gender Gap in Österreich im Vergleich zu Europa und auf internationaler Ebene?

Laut dem Weltwirtschaftsforum (WEF), einer der zuverlässigsten Quellen zu diesem Thema, liegt Österreich, wenn man den Gender Gap-Index betrachtet (ein Index, der die geschlechtsspezifischen Unterschiede nach 4 Faktoren bewertet: Gesundheit, Bildung, Wirtschaft und Politik), mit einem Index von 74,4% (wobei 100% die erreichte Parität angibt) auf Platz 14 in der Region Westeuropa und Nordamerika. Auf Weltebene, wo der durchschnittliche Index auf 68,6% sinkt, liegt Österreich auf Platz 34 von 153 Ländern. Im Vergleich zum 2018 Ranking, hat Österreich 19 Plätze gut gemacht, was vor allem an dem größeren Anteil weiblicher Vertreterinnen im Regierungskabinett und im Parlament zu verdanken ist. Den ersten Platz belegt Österreich gemeinsam mit 24 anderen Ländern übrigens im Bereich Bildungsstand (Educational Attainment).

Nach Regionen betrachtet, hat Westeuropa die größten Fortschritte bei der Geschlechterparität erzielt (76,7%), gefolgt von Nordamerika (72,9%), Lateinamerika und der Karibik (72,2%), Osteuropa und Zentralasien (71,3%), Afrika südlich der Sahara (68,2%), Südasien (66,1%) sowie dem Nahen Osten und Nordafrika (60,5%). Dennoch schätzt man, dass es in Westeuropa immer noch mindestens 54 Jahre dauern wird, um die Kluft zwischen Männern und Frauen zu schließen.

In Österreich gibt es zusätzlich zum International Equal Pay Day der Vereinten Nationen noch zwei weitere Daten, die auf diesen gesellschaftlichen Diskrepanz aufmerksam machen. Der erste Termin findet jährlich im Frühjahr statt und wird von Business & Professional Women Austria berechnet. Dieses Datum kennzeichnet symbolisch den Tag im neuen Jahr, bis zu welchem Frauen in Österreich unbezahlt arbeiten, während Männer bereits ab dem 1. Jänner entlohnt werden. Im Jahr 2020 war es der 25. Februar.

Der jährliche Equal Pay Day im Herbst wird vom Österreichischen Städtebund initiiert und stellt den Tag im Jahr dar, ab dem Frau bis Ende des Jahres “gratis” arbeiten. Als Basis dient hier das jährliche Einkommen von Männern. Im Jahr 2019 war es der 21. Oktober und hat sich immerhin seit dem Jahr 2010 um 22 Tage verbessert (29. September). Hervorzuheben ist allerdings, dass die Ergebnisse in den Bundesländern stark differenzieren: Während im vergangenen Jahr in Wien der Equal Pay Day “erst” am 9. November erreicht wurde, wurden die Frauen in Vorarlberg bereits ab 23. September symbolisch nicht mehr entlohnt.

 

 

Interview mit Gründerinnen Fabiola & Alessandra

Anlässlich des International Pay Day sprachen wir außerdem mit Fabiola Silvestri und Alessandra Massarenti, den Gründerinnen vom italienischen Unternehmen ONE4job, einem rein weiblichen Unternehmen, das mit dem Ziel gegründet wurde, innovative, technologische und sehr persönliche Unterstützung bei der Personalrekrutierung und -auswahl zu bieten. ONE4job ist Teil unserer Community des Talent Garden Calabiana, einem unserer Standorte in Mailand.

ONE4job

Welches sind die Faktoren, die bei der Verringerung (und dann der Beseitigung) der geschlechtsspezifischen Unterschiede eine vorherrschende Rolle spielen, und was sind die Prioritäten für die nahe Zukunft?

Fabiola: Grundlegend für den Abbau der Geschlechterkluft wird vor allem die Verbesserung der politischen und wirtschaftlichen Beteiligung der Frauen sein, die heute in Italien auf einem völlig unzureichenden Niveau ist. Von den vier Faktoren, die für den Gender Gap-Index berücksichtigt werden, erklärt der WEF, dass im Durchschnitt der grösste Gender Gap die Lücke im politischen Empowerment (“Political Empowerment Gap”) betrifft.

gender gap

 

Zweitens ist der Zugang zum Arbeitsmarkt für Frauen aufgrund von Fragen der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben bis heute sehr schwierig: Viele entscheiden sich aufgrund der ungerechten Aufteilung von Hausarbeit und familiärer Betreuung (in Wirklichkeit unbezahlte Arbeit) für eine Teilzeitbeschäftigung, die für Frauen zusätzlich belastet. Prioritäten für die Zukunft? In diesem Punkt wird es sicherlich wichtig sein, den Arbeitstag mit größerer Flexibilität zu straffen, um die berühmte “Work-Life-Balance” (die Fähigkeit, Arbeit, Karriere und berufliche Ambitionen mit dem Privatleben, das sich aus Familie, Leidenschaften und Freizeit zusammensetzt, in Einklang zu bringen) zu gewährleisten. 

economic participation and unpaid work

 

Wie können digitale Innovationen dazu beitragen, den Transformationsprozess in Richtung “gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit” zu beschleunigen?

Alessandra: Zunächst einmal werden die digitalen Innovationen es den Frauen ermöglichen, Zeit bei der Organisation ihrer Arbeit, ihres Zuhauses und ihrer Familie zu sparen, um so den Druck des “Müssigmachens” zu verringern. Außerdem wird sie zur Konsolidierung neuer, zunehmend flexiblerer, intelligenter Arbeitsformeln führen, die Ausfallzeiten und Reisen reduzieren. Schließlich wird es die Möglichkeit garantieren, ständig Zugang zu Online-Kursen, Webinaren usw. zu haben, um ständig auf dem neuesten Stand zu bleiben und leistungsfähig zu bleiben.

 

Welche Instrumente stehen zur Verfügung, um heute zu reagieren und zu versuchen, die Kluft zwischen den Geschlechtern zu überbrücken?

Fabiola: Sicherlich mehr “kulturelle Informationen”. In vielen Ländern wird die Rolle der Frauen immer noch als marginal angesehen: Selbst in Italien beispielsweise gibt es immer noch einen starken Unterschied im Denken über die Rolle der Frauen in der Arbeitswelt, insbesondere zwischen Nord und Süd. Zweitens würde eine gute Bildung und Ausbildung das Gefühl der Zufriedenheit und Sicherheit (auch in wirtschaftlicher Hinsicht) der Frauen und damit ihre Fähigkeit erhöhen, sich bei Vorstellungsgesprächen besser zu “verkaufen”, sowohl für prominentere Rollen als auch für höhere Löhne.

 

Warum habt ihr euch für Talent Garden entschieden und was gefällt euch am besten an unserem Netzwerk?

Alessandra: Wir haben uns für den Talent Garden entschieden, weil er uns sofort auf die Idee brachte, unser kreatives Laboratorium zu werden, in dem wir unseren unternehmerischen Traum verwirklichen können. Mit den richtigen Leuten und durch den Austausch von Ideen und die gemeinsame Nutzung von Projekten sind wir sicher, dass wir unseren Kunden und Partnern einen echten Mehrwert bieten können. Wir mögen Herausforderungen, aber sie zu gewinnen… noch mehr!

 

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