Innovation in der Krise: Jetzt ist es an der Zeit, dass dein Unternehmen wie ein Startup denkt

Es ist viel darüber geschrieben und gesprochen worden, wie sich Covid-19 auf Unternehmen – von Startups bis hin zu multinationalen Konzernen – auswirkt, die aktuell an sämtlichen Fronten ums wirtschaftliche Überleben kämpfen. Es gibt immer noch viel Ungewissheit und Zukunftsszenarien sind leider nichts weiter als reine Spekulationen. Denn wenn es um das “schwarze Schwan Phänomen” geht, ist es unmöglich, langfristige Auswirkungen gänzlich zu erfassen.

Als Unternehmen mit dreiundzwanzig physischen Standorten, großen Event Spaces und Dutzenden von Bildungsprogrammen in ganz Europa wurde auch Talent Garden hart getroffen. Etwas anderes zu behaupten, wäre eine Lüge. Dennoch sind wir ein Startup und als solches sprechen wir oft und stolz von unserem „Startup-Spirit“ und wie er uns hilft, die Dinge zu erreichen, die wir tun. Und die vergangenen Wochen und Monate haben diese Kultur nur weiter bestätigt: Innerhalb weniger Wochen haben wir es geschafft neue Ideen aufs Papier zu bringen, unsere Aus- und Weiterbildungen als Onlineformate zu relaunchen, Online-Lehrkräfte aus ganz Europa zu finden, unseren Teamgeist durch wöchentliche Digital Aperitifs und Pub-Quizze aufrechtzuerhalten und unsere erste Online-Lernplattform in nur vierzehn Tagen zu starten.

Es gibt unzählige Memes darüber, wie skandinavische Länder ihr ganzes Leben lang Social Distancing geübt haben. Vielleicht kann man das auch über Startups und Unsicherheit sagen. Seit dem Tag unserer Gründung, arbeiten wir immer mit einem gewissen Grad an Ungewissheit, aber letztendlich wachsen wir genau deswegen. Das heißt nicht, dass Startups in dieser Krise in jeder Hinsicht die Leitfiguren sein sollten, denn die Rahmenbedingungen sind natürlich für jedes Unternehmen unterschiedlich. Wir glauben aber fest daran, dass einige Startup-Erkenntnisse und -Arbeitsmethoden für uns alle von großer Hilfe und Inspiration sein könnten, wenn wir vor Zitronen sitzen und uns nach Limonade sehnen.

 

Nützliche Lektionen aus dem Startup-Playbook

Startups bewegen sich schnell.

Der traditionelle Startup-Ansatz bei der Produktentwicklung beginnt mit einer „Need and Pain Points”-Analyse zusammen mit dem Kunden. Wenn eine unerwartete Situation auftaucht und sich die Realität unserer Nutzer verändert, sind Startups in der Lage schnell umzuschwenken und das Produkt an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Im Fall von Talent Garden bedeutete dies, alle unsere Bildungsaktivitäten online zu verlagern und Online-Workshops für unsere Firmenkunden zu konzipieren. Für andere Unternehmen könnte es bedeuten, dass zum Beispiel leerstehende Hotelzimmer zu Remote Working Spaces für Fachkräfte werden, die ein Büro für ein paar Stunden fernab der Familie benötigen. Letztlich geht es darum, sich in die eigenen Kunden hineinzuversetzen und mit ihnen gemeinsam Lösungen zu finden.

 

Startups sind benutzerzentriert.

In Krisenzeiten ist es naheliegend, den Blick nach innen zu wenden und sich auf die eigenen Herausforderungen als Unternehmen und als Team zu konzentrieren. Da die Vorgehensweise bei der Produktentwicklung von Startups die gemeinsame Erstellung von Produkten mit dem Kunden und anderen Interessengruppen beinhaltet, geschieht dies bei Startups nicht in gleichem Maße. Bei Talent Garden haben wir diese Zeit genutzt, um mit unseren Kunden und Partnern in Kontakt zu treten. Wir haben Umfragen verschickt, mit unseren Coworkern gesprochen, und wir haben viele Gespräche mit Partnerunternehmen, Firmenkunden und Lieferanten geführt. Nur wenn wir verstehen, was sie durchmachen, können wir neue Prozesse, Produkte und Initiativen schaffen, die funktionieren.

 

Bei Startup-Teams dreht sich alles um Kommunikation.

Die Schaffung einer Home Office Atmosphäre ist für jeden schwierig. Die meisten Menschen suchen die Gemeinschaft mit anderen Menschen und fühlen sich in Gruppen sicher. Viele Startups sind jedoch daran gewöhnt, trotz großer örtlicher Entfernung eng mit Kollegen zusammenzuarbeiten und Online „Daily Stand-Ups“ oderr Kommunikationskanäle wie Slack gehören zur Tagesordnung – genauso wie regelmäßige „All Hands“-Meetings mit dem CEO. Startups sind oft auch eher bereit, neue Technologien und Anwendungen auszuprobieren und zu übernehmen, um effizient(er) arbeiten zu können.

 

Startups lieben die Ideenentwicklung.

Startups sind es gewohnt, neue Wege zu gehen. Es ist der zweite Schritt der meisten Produktentstehungsprozesse und ein wesentlicher Bestandteil, um in einer sich schnell verändernden Welt relevant zu bleiben. Wenn wir von einer Krise betroffen sind, ist unser erster Instinkt, ein funktionsübergreifendes Team zusammenzustellen und über potenzielle Möglichkeiten nachzudenken. Auf diese Weise haben wir unsere neue Online-Lernplattform Antea in nur zwei Wochen auf die Beine gestellt.

 

Startpunkt: Visualisiere deine Online-Chancen

Kürzlich haben wir mit einem großen Pharma-Kunden einen Online-Workshop zur Erfassung von Möglichkeiten („Opportunities Mapping“) durchgeführt. Obwohl die Pharmaindustrie aktuell nicht so unmittelbar betroffen ist wie z.B. die Reisebranche, gibt es immer noch Herausforderungen – und auch Chancen – aufzuzeigen. Da sich die Ärzte mit allen Kräften auf die Bekämpfung des Coronavirus konzentrieren, die Außendienstmitarbeiter zu Hause bleiben und alle – kleinen und großen – medizinischen Konferenzen abgesagt wurden, sind die traditionellen Marketing- und Vertriebskanäle für pharmazeutische Produkte praktisch stillgelegt. Nach einem anregenden und erfolgreichen Workshop – und das war nicht der einzige – ist hier unser Rat für Unternehmen, die sich in Zeiten wie diesen ein bisschen Startup-Inspiration wünschen:

 

1. Beginne deinen Workshop, indem du Interessenvertreter entlang des Produktlebenszyklus darstellst.

Stecke viel Zeit und Mühe in das Verständnis der neuen Herausforderungen. Erstelle Empathiekarten und Customer Journeys für die „extremsten“ Kunden und führe Needs- und Pain Points Analysen durch. Dein Ziel ist es, Einfühlungsvermögen zu nutzen, um zu verstehen, was die (neuen) Bedürfnisse sind. Was ist gleich geblieben? Was hat sich verändert? Was bedeuten die neuen Herausforderungen für die verschiedenen Akteure?

 

2. Sobald dies geschehen ist, suche nach einer Lösung.

In Krisenzeiten ist das so genannte „Frame-Storming“ eine hilfreiches Tool dafür: Der Kursleiter hilft den Teilnehmern dabei, grundlegende und miteinander verflochtene Strukturen und Emotionen zu erkennen, um dann die Verbindungen sanft anzustoßen und ihnen zu helfen, in Chancen statt in Problemen zu denken.

 

3. Mache dich mit der digitalen Ideenfindung vertraut.

Die digitale Ideenfindung ist definitiv anders, als wenn man Face-to-Face arbeitet. Wir sind es gewohnt, Workshops in Gruppen abzuhalten, unmittelbares persönliches Feedback zu erhalten und spontan an die Ideen der anderen anzuknüpfen (ein ganz wichtiger Teil der Ideenfindung). Zum Glück kann dieses Gefühl mit Hilfe der Technologie wieder hergestellt werden. Tatsächlich ist die gemeinsame virtuelle Kreation von Ideen eine wertvolle Lektion, selbst dann wenn wir wieder in unser gewohntes Umfeld zurück dürfen.

 

4. Bringe Menschen ins Spiel, die Dinge ausprobiert haben, gescheitert sind oder erfolgreich waren, um aus ihren Erfahrungen zu lernen.

Eine effiziente Art und Weise, Inspiration zu vermitteln und den Workshop-Teilnehmenden konkrete Ideen zu geben, besteht darin, Referenten einzuladen und/oder ein paar Case Studies mitzubringen. Die Wirksamkeit der Aussagen von Menschen, die gerade jetzt mit ihrem Unternehmen erfolgreich sind, ist unfassbar groß.

 

5. Achte auf den Preis.

Das Ziel unserer “Opportunity Mapping” Workshops ist es, dass die Teilnehmer den virtuellen Raum mit Inspiration und vor allem konkreten Ideen verlassen. Inspiration ohne anschließender Handlung macht zwar Spaß, aber sie führt zu nicht mehr als einem kurzen „Wow-Effekt“. Damit eine Idee in die Tat umgesetzt werden kann, braucht es eine Reihe von Voraussetzungen, u.a. 1) eine klare Vision des zu lösenden Problems, 2) die Überzeugung, dass es funktionieren kann (die richtige Einstellung), 3) die richtigen personellen Ressourcen und 4) einen handfesten Plan und Follow-up Sessions.

 

Erste Schritte zu unserer Realität nach Covid-19

Die Covid-19-Krise ist eine Katastrophe mit unvorhersehbaren Folgen; wirtschaftlich, emotional und sozial. Es ist aber auch wichtig, für unser aller Wohl zu versuchen, das Beste aus einer schwierigen Situation zu machen. Ungewissheit kann ein lähmendes Gefühl sein, aber mit dem richtigen Blickwinkel muss es das nicht sein. Von der Erkundung neuer Wege und der Zeit, die man sich nimmt, um die Bedürfnisse von Kunden und Partnern zu verstehen, über den Aufbau eines Unterstützungssystems unter den Teammitgliedern bis hin zur Schaffung von Vertrauen und Transparenz zwischen den Führungskräften des Unternehmens und ihren Mitarbeitern – es gibt viele Dinge, die Unternehmen tun können, um die bekannten “Silver Linings” am Horizont zu erkennen.

Im besten Fall werden dies genau die Dinge sein, die uns helfen, in einer Post-Covid-Welt aufzublühen und gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen.

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