Human Centered Design: Erklärung und Methoden

Ist es möglich, eine Schnittstelle, eine Nutzererfahrung oder ein Produkt zu entwerfen, indem man sich von Empathie inspirieren lässt? Gibt es ein Framework für Design, das die Möglichkeit bietet, ein Projekt von den Bedürfnissen, dem Verhalten und den Wünschen des Endnutzers oder der Endnutzerin ausgehend zu entwickeln, und welches auch das Arbeitsumfeld und die daraus resultierenden Einschränkungen berücksichtigt?  Human Centered Design, wörtlich also “menschenzentriertes Design”, versucht, auf diese Fragen zu antworten. Dazu schlägt es eine Reihe von Vorgaben und Good Practices vor, die es ermöglichen sollen, die Anforderungen der Kunden und Kundinnen unter dem Gesichtspunkt des Problem Solving zu verstehen, nützliche Ideen zur schnellen Anfertigung von Prototypen zu finden und den Übergang zu Vertrieb und Verkauf zu vereinfachen.

Human Centered Design: Was ist es?

Human Centered Design, auch bekannt als User Centered Design, ist ein Designansatz, dessen Ziel es ist, Produkte und Dienstleistungen herzustellen, indem er zunächst die Probleme der Menschen zu verstehen versucht. Daraus werden Lösungen konzipiert, die diesen abhelfen können und schließlich bewertet, welche der Lösungen die beste ist. Aus diesem Grund wird Human Centered Design auch als User first Ansatz definiert, da bei allen Phasen des kreativen Prozesses der Nutzer oder die Nutzerin an erster Stelle steht. Unabhängig von der Art des zu entwickelnden Projekts wird die Nutzerin oder der Nutzer bereits in den Anfangsphasen durch Gespräche mit einbezogen. So wird versucht, die größtmögliche Anzahl an möglichen Lösungen zu finden. Danach schränken die Designerinnen und Designer das Feld wieder ein, bis sie den geeignetsten Lösungsweg für die Bezugsgruppe finden. Das Human Centered Design ist vom Wirtschaftsnobelpreisträger Herbert Simon gefördert und an der Design School der kalifornischen Stanford University entwickelt worden und sieht verschiedene Phasen vor. Je nach Interpretation werden diese auf verschiedene Weise kategorisiert, man kann sich jedoch zusammenfassend auf diese aufeinanderfolgenden Stadien beziehen:

  • Inspiration;
  • Erfindung;
  • Anwendung mit Prototyp;
  • Abschlusstests.

Inspiration

Die Inspiration ist jene Phase, in der die Feldstudie durchgeführt wird. Die Designerinnen und Designer wenden sich direkt an jene, die die Zielgruppe eines Produkts sein könnten. Ziel ist, ihren Standpunkt herauszufinden und zu versuchen, sich so weit wie möglich in sie hineinzuversetzen.  Die Studie kann mittels Treffen durchgeführt werden, durch die Durchführung von Umfragen, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer per Email oder über Onlineformulare kontaktiert werden. In einigen Fällen kann der Anreiz zur Teilnahme auch durch Rabattangebote oder Geschenke verstärkt werden.

Erfindung 

Wenn man die Probleme der Nutzerinnen und Nutzer verstanden hat, geht man zur Erfindungsphase über. Alle an der Projektentwicklung Beteiligten sind dabei und auf der Suche nach Ideen. Gerade in der Anfangsphase wird vom Prinzip ausgegangen, dass alle Eingebungen potenziell geeignet sein könnten, um zu einem positiven Ergebnis zu führen. Man erstellt also eine Liste aller gesammelten Ideen, diskutiert sie und versucht jene zu verbessern, die man auf Grundlage der in der Inspirationsphase erhaltenen Angaben für die Besten hält.

Anwendung mit Prototyp

Von der besten Idee, die während der Erfindung entwickelt und verbessert worden ist, gelangt man zur Erschaffung eines Prototyps und zu vorbereitenden Tests mit Blick auf den möglichen Übergang zum tatsächlichen Verkauf bzw. Launch. Dies bedeutet, dass zum ersten Mal ein physisches Produkt , eine verwendbare Dienstleistung oder eine Schnittstelle hergestellt wird, welche die Testerinnen und Tester während der Versuche tatsächlich “anfassen” können. In einigen Fällen können auch mehr als ein Prototyp zur Verfügung stehen. Da das Endziel des Prozesses die Lösung eines Problems (oder mehrerer Probleme) ist, muss man den dafür geeignetsten Prototyp herausfinden. Eventuelle Beobachtungen oder negative Feedbacks müssen bei der Entwicklung unter Umständen neuer Prototypen berücksichtigt werden.

Abschlusstests

Der bei den vorangegangenen Versuchen verwendete Prototyp wird nochmals verbessert oder auf Basis der Reaktionen der Tester neu entwickelt und den Nutzerinnen nochmals vorgelegt. Trotz der Anstrengungen und des zu seiner Entwicklung notwendigen Arbeitsaufwands müssen die Designerinnen und Designer immer offen für jede Kritik sein, denn auch in dieser Phase können Defekte und Funktionsstörungen auftreten, die die Nutzererfahrung negativ beeinflussen. Erst in dem Moment, in dem der Prototyp nachweislich effektiv dazu in der Lage ist, das Problem zu lösen, für welches er entwickelt worden ist, kann man zur Herstellung des Endprodukts übergehen.

Deshalb ist es wichtig, für Menschen zu entwerfen

Human Centered Design erweist sich als besonders leistungsstarker Ansatz in all jenen Situationen, in denen die Entwicklung eines Produkts auf die Erstellung von Lösungen abzielt. Diese sollen nicht nur nützlich sein, sondern möglichst auch die emotionale Sphäre und das Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer ansprechen. Wenn ein bestimmtes Format Unzufriedenheit, Frustration oder Unbehagen erzeugt, liegt es wahrscheinlich daran, dass die Designerinnen und Designer bestimmte Probleme ignoriert haben und sei es nur aus dem Grund, dass sie nichts von deren Existenz wussten. Ein partizipativer Entwicklungsansatz ermöglicht es also, von den Bedürfnissen derjenigen auszugehen, die ein Produkt nutzen werden und von diesem spezifische Eigenschaften erwarten. Die Aufgabe, Lösungen zu erschaffen, bei denen die Menschen im Mittelpunkt stehen, fällt dem UX Designer oder der UX Designerin zu. Dies ist ein Profi, der um zu einem solchen zu werden, eine entsprechende Ausbildung absolvieren muss.  Hierzu bietet Talent Garden seinen UX Design Master an – der einzige in Italien, bei dem man in nur 14 Wochen zum Junior UX Designer oder zur Junior UX Designerin ausgebildet wird. Er ist in Zusammenarbeit mit Sketchin organisiert, einem der renommiertesten Designstudios in Europa. Für seine nächste Ausgabe sind 11 Wochen live Online-Lektionen vorgesehen sowie Präsenzunterricht in der 1., 4. und 8. Woche auf dem Campus in Mailand-Calabiana und Rom-Ostiense.  Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können die Stadt auswählen, die für sie am bequemsten für die Teilnahme ist. Die Partnerschaft mit dem Istituto Pantheon Design & Technology garantiert die Anerkennung von 24 akademischen/universitären Credits für die Teilnahme am Master.

Beispiele für Human Centered Design

Spotify

Ein erstes Beispiel für Human Centered Design könnte der Prozess sein, der zur Realisierung und einer Verbesserung von Spotify geführt hat, der wahrscheinlich bekanntesten Plattform für Audio-Streaming. Spotify hat nämlich das Problem gelöst, welches einen Großteil der Hörerinnen und Hörer von Musik im Digitalformat betraf. Nämlich für jedes Lied einzeln bezahlen zu müssen. Auf diese Einschränkung der Nutzung wurde mit dem Angebot zweier Formeln reagiert: Eine ist gratis und durch Werbung finanziert, die andere ein Abonnement mit zusätzlichen Funktionalitäten und ohne Werbung.

Colgate Toothbrush

Colgate Toothbrush ist eine der weltweit meistgenutzten Zahnbürsten. Sie ist das Ergebnis einer Beratung durch Altitude, ein auf Human Centered Design spezialisiertes Unternehmen, das von Colgate-Palmolive angeheuert worden war, um ein neues Zahnbürstenmodell auf den Markt zu bringen. Alle Eigenschaften dieses Produkts sind das Ergebnis einer Studie, die eine Stichprobe von potenziellen Endverbraucherinnen und -verbrauchern mit einbezogen hat: von der eigenartigen bogenförmigen Form bis zur Schwingung des Kopfes, von der Beschaffenheit der Borsten bis zu ihrer Anordnung, von den für die Produktion ausgewählten Materialien bis zu dem bunten und weichen wellenförmigen Einsatz am Ende des Griffes.

Fitbit 

Im Fall von Fitbit, einem unter Sportlerinnen und Sportlern weit verbreiteten Fitness-Tracker, war Human Centered Design unerlässlich, um ein Problem zu erkennen, das viele haben, die kontinuierlich Sport treiben und dies mit größerer Konstanz tun wollen: den absoluten Überblick über die eigenen Trainingseinheiten und die erzielten Fortschritte zu haben. Fitbit deckt nicht nur die Bedürfnisse von Sportlerinnen Sportlern ab, sondern ist ein Gerät, das für jede und jeden geeignet ist. Absolvierte Workouts, Gewicht, Ernährung, Kalorienverbrauch, Schlafqualität und andere für die Gesundheit grundsätzliche Parameter können fortan unter Kontrolle gehalten werden. Alle Informationen sind zudem durch eine mobile App zugänglich, die sich auf jedem Smartphone installieren lässt.

Abschließend

Human Centered Design ist ein Ansatz, mit dem die Probleme der Konsumentinnen und Konsumenten gelöst werden, indem man diese an der Planungsphase von Produkten und Dienstleistungen direkt teilnehmen lässt. Dadurch wird es möglich zu verstehen, welche Wünsche die Nutzerinnen und Nutzer haben, was ihre Erwartungen sind und auf welche Weise ihre Nutzererfahrung verbessert werden kann, indem man die Hürden und Fehler entfernt, die die Anwendung langweilig, frustrierend oder unbefriedigend werden lassen.

9 Mai 2022

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